Erstmals überliefert ist die Redensart „in den April schicken“ in Deutschland 1618 in Bayern. Der Ausdruck Aprilscherz bürgerte sich jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. Beliebt waren Aprilscherze vor allem bei Kindern, aber auch in der Handwerkerbranche. Dort war es üblich, dass der jüngste Lehrling von den älteren Gesellen in den April geschickt wurde. Auch in Tageszeitungen machten sich die Redakteure einen Spaß und entwarfen anlässlich des 1. Aprils oftmals Falschmeldungen.
Manchmal kam es vor, dass Meldungen so absurd waren, dass die Leser sie für eben solche Falschmeldungen, auch „Zeitungsenten“ genannt, hielten. Sie verfolgten daher am 1. April noch aufmerksamer als sonst die aktuellen Nachrichten, um die eine Scherznachricht zu entdecken, die Ihnen ansonsten ernsthafte Journalisten aus Spaß für einen Tag unterjubeln wollten.
Zeppelin-Hafen am Dümmer
1898 begann Ferdinand Graf von Zeppelin mit der Produktion von Teilen für den ersten Zeppelin. Am 2. Juli 1900 fand in der Manzeller Bucht unter den Augen von etwa 12.000 Zuschauern am Seeufer und auf Booten der erste Aufstieg des Luftschiffes statt. Die Fahrt dauerte nur 18 Minuten, da der Zeppelin LZ 1 vom Wind abgetrieben zu werden drohte und auf dem Wasser notlanden musste. Pleiten, Pech und Pannen kennzeichnen die Anfangsjahre. Mit dem Luftschiff LZ 5 sollte 1908 die nationale Luftschifffahrt in Deutschland revolutioniert werden. Der kommerzielle Einsatz für die Beförderung von Fahrgästen stand unmittelbar bevor.
Da ließ am 1. April 1909 eine sensationelle Nachricht der Diepholzer Kreiszeitung mit dem Titel „Luftschiffhafen am Dümmer“ die Leser aufhorchen: „In dieser Woche weilte hier ein Konsortium von Sachverständigen zur Prüfung der Frage, ob der Dümmer sich zur Anlage eines Luftschiffhafens eigne. Nach eingehender Prüfung kamen die Herren zu der Ansicht, daß sich der See wegen seiner verhältnismäßig windstillen Lage und seiner geringen Tiefe vorzüglich zum Landen von Luftschiffen verwenden lasse. Es sind darum schon Unterhandlungen mit den Anliegern wegen Abtretung der nötigen Grundstücke im Gange. Sobald dieselben zum Abschluß gelangt sind, wird hier ein Baubüro errichtet werden, das nach Fertigstellung der Pläne sofort mit dem Bau der Halle beginnen wird. Man hofft mit den Arbeiten bis Ende Juni fertig zu sein, sodaß mit Beginn des Monats Juli ein regelmäßiger täglicher Luftschiffverkehr zwischen dem hiesigen Orte und Bremen stattfinden kann. Die Abfahrt des Luftschiffes erfolgt im Anschluß an die Ankunft der Züge von Osnabrück und Bremen morgens um 6½ und nachmittags um 4 Uhr. Die Fahrt wird etwa 1½ Stunden dauern. Der Preis derselben beträgt, da die Entfernung in der Luftlinie 80 km ist und pro Kilometer 20 Pf. berechnet werden, 16 Mark. Wenn sich eine solche Fahrt nun auch teurer als mit der Bahn stellt, so bietet sie dafür dem Reisenden auch Genüsse ganz eigener Art. Es muß doch ein erhebendes Gefühl sein, mit Schnellzuggeschwindigkeit in luftiger Höhe über Wiesen, Wälder, Städte und Dörfer hinwegzufliegen. – Herr Gastwirt Brinkmeyer reibt sich, vergnügt schmunzelnd, die Hände und denkt: das Geschäft wird immer besser. Wie man hört, will derselbe in Anbetracht des stärker werdenden Verkehrs seinen Gasthof bedeutend vergrößern und eine 24 Mann starke Kapelle engagieren, welche täglich mehrmals seinem neuen großen Sommergarten konzertieren soll.“ Unter den einheimischen Lesern der Zeitung sprach es sich schnell herum: Das muss eine Zeitungsente sein! April, April!
Umlegung der Chaussee vom Bahnhof Lemförde zur Molkerei nach Haldem
Ein Zeitungsartikel, erschienen in der Ausgabe der Diepholzer Kreiszeitung vom 2. April 1922, brachte die Meldung über eine geplante neue Straßenverbindung vom Bahnhof Lemförde zur Central-Molkerei Haldem: „Die Straße vom Bahnhof Lemförde nach Haldem führt bekanntlich in Zickzacklinien durch den Ort Stemshorn. Diesem Übel wird demnächst abgeholfen werden. Wie wir erfahren, wollen sich die Behörden, besonders die zukünftigen Amtmänner in der Provinz Hannover, dem Straßennetz-Ausbau, mehr als bisher geschehen, widmen, weil die Eisenbahn wegen des unrentablen Betriebs in den Besitz von Privatgesellschaften (Stinnes) übergeführt und dann wahrscheinlich bedeutend eingeschränkt wird. Die für Lastfuhrwerke unangenehme Steigung „auf dem Angern“ auf der Chausseestrecke Stemshorn-Molkerei Haldem soll beseitigt werden durch Verlegung der Straße. Der neue Ausgangspunkt wird die Wirtschaft Tiemann und der Endpunkt die genannte Molkerei sein; somit wird der Stemweder-Berg vollständig umgangen und die Strecke sogar um ½ Klm. verkürzt. Die geplante Linie läuft östlich am Kolonat Steinbrecher vorbei und benutzt mehrere Feldwege. Die alte Chausseestrecke in Stemshorn bleibt gepflasterte Dorfstraße; aber vom Südausgang an bis zur Haldemer Molkerei wird sie in Ackerland verwandelt und an diejenigen verteilt, welche bei der neuen Linienführung Land hergeben müssen. Die Gastwirtschaft Meyer würde aber dadurch vom Hauptverkehr abgeschnitten werden; diesem Nachteil wird abgeholfen, indem sich die Gemeinde Stemshorn verpflichtet hat, eine neue Wirtschaft neben Steinbrechers Hof zu erbauen. Für die Hälfte der Kosten will der Oberpräsident, Exzellenz Roske, einstehen, die andere Hälfte hat Stemshorn zu übernehmen, während Haldem nur die kurze Strecke von 200 Metern innerhalb „Preußen“ übernimmt. Daß es mit dieser Straßennetz-Verbesserung, welche auf Veranlassung eines Tierschutzvereins (wegen des steilen Berges) seine Richtigkeit hat, beweist die vor zwei Jahren vorgenommene Entfernung der Chausseebäume südlich Stemshorn. Im anderen Falle wären schon längst wieder Bäume an die Straßenränder gepflanzt worden! Dem Landratsamt Diepholz sei schon an dieser Stelle Dank gesagt für die im Interesse Stemshorns großzügige und wohlwollende Bearbeitung dieses Straßenumlegungsprojektes.“
Rodelbahn und Sprungschanze am Stemweder Berg
In der Ausgabe des Diepholzer Kreisblatts vom 1. April 1927 erschien folgende Nachricht, die in Lemförde die Runde machte und die Frage auslöste, ob es sich um ein feucht-fröhliches Wintervergnügen oder einen Aprilscherz handelt:
„Der Vertretung unseres Fleckens ist es zu danken, daß die Lemförder Berge neben Berlin die erste künstliche Rodel- und Skibahn der Welt erhalten. Vor einigen Tagen ist ein diesbezüglicher Vertrag zwischen einem englischen Erfinder und dem hiesigen Magistrat aufgesetzt worden, der am Freitag unterzeichnet werden soll.
Dem englischen Erfinder ist es gelungen, auf chemischem Wege ein Pulver herzustellen, das in sportlicher Hinsicht genau dieselben Eigenschaften aufweist wie Schnee. Zu Pfingsten soll die künstliche Bahn ihrer Bestimmung übergeben werden. Es ist geplant, diese Erfindung soweit für die Lemförder Berge nutzbar zu machen, daß eine ständige künstliche Ski- und Rodelbahn unterhalten wird. Der Flecken Lemförde hat zunächst seinen medizinischen Sachverständigen nach London entsandt, um festzustellen, ob dieser künstliche Schnee auch in gesundheitlicher Beziehung einwandfrei ist. Die medizinischen Urteile lauteten tatsächlich übereinstimmend dahin, daß diese neue Erfindung keinerlei nachhaltigen Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat.
Dank der Großzügigkeit unserer Fleckenskollegien, die den Beschluß einstimmig gefaßt haben, ist es bereits gelungen, das nötige Gelände zu sichern. Vom Berge herunter, über den Hof des Hann. Berghauses, bis an den zweiten Querweg in Höhe des Espohls, sollen eine Rodelbahn und eine Sprungschanze von 11 Meter Höhe und 130 Meter Auslauf hergestellt werden. Die Rodelbahn wird etwa 1.000 Meter lang und 10 Meter breit sein.
Zu diesem Zwecke sollen zunächst etwa 300.000 Kilo künstlichen Schnees herangeschafft werden. Die neue künstliche Masse hat übrigens den großen Vorteil, daß ihre Herstellung billig ist und die Unterhaltskosten sehr gering sind, weil der künstliche Schnee jederzeit ohne große Schwierigkeiten einfach gewaschen werden kann. Einstweilen mutet diese neue Erfindung noch etwas phantastisch an. Aber wir haben uns in den letzten Jahren an so vieles gewöhnen müssen, daß uns auch diese neue Errungenschaft bald zur Selbstverständlichkeit werden wird. Für Lemförde und Umgegend aber bedeutet die Verwirklichung dieses Planes ungeahnte Aufstiegsmöglichkeiten. Man denke, welche Reize es bieten wird, mit Skiern und Rodel durch die wogenden Getreidefelder zu flitzen! Sämtliche Turnvereine des Huntegaues werden zu ihrem vielseitigen Betrieb noch die Ausübung des Wintersports hinzugesellen. Der Gauausschuß ist bereits auf der Suche nach einer Persönlichkeit, die er mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Gauwintersportwarts beauftragen kann. Uns aus den nahen Großstädten wird der Strom der Sportbegeisterten unermeßlich sein!“
Die Wege am Nordhang des Stemweder Bergs waren zu jener Zeit zwar im Winter ein beliebtes lokales Rodelgebiet, Beschneiungsanlagen dürften jedoch 1927 noch utopisch angemutet haben. Heute gewährleisten auch bei wenig Schneefall im Skiurlaub bestens präparierte Pisten mit dicken Schneedecken. Entdeckt wurde das Grundprinzip der Beschneiungsanlagen erst Ende der 1940er Jahre aus Zufall: Ein amerikanischer Forscher sprühte bei niedrigen Temperaturen Wasser in einen Windkanal, um die Vereisung von Düsentriebwerken zu untersuchen. Dadurch erzeugte er unerwartet Schnee.
Eine kleine Skisprungschanze und eine ganzjährig geöffnete Kunstschneerodelbahn als Touristenattraktion, diesen Bären hat der Redakteur der Diepholzer Kreiszeitung den Lesern 1927 wohl kaum aufbinden können. Sie werden schnell gemerkt haben, dass es sich um eine „Zeitungsente“ handelte.
Heute sucht man Scherznachrichten zum 1. April in der Presse vergebens. Die Tradition des Aprilscherzes hat in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren, spielt im Schatten von Fakenews und täglichen Skandalgeschichten keine Rolle mehr und ist in Vergessenheit geraten.
Ludger von Husen
Quellen:
Diepholzer Kreiszeitung v. 01.04.1909, 02.04.1922, 01.04.1927



