Bereits am 17. Mai 1851 hatte die zuständige Behörde in Hannover einen Handriss über die zur Aufnahme der Amtsverwaltung, des Amtsgerichts und Amtsgefängnisses vorhandenen Gebäude im Flecken Lemförde und ein Gutachten zur Nutzung der Räume angefordert. Als Sitz des Amtsgerichts wurde das ehemalige Amtsstubengebäude auf der Vorburg der Burg Levenvorde auserkoren.
Das 1790 errichtete Amtsstubengebäude war 36 Fuß lang und 28 Fuß breit und enthielt neben der großen Amtsstube mit Vorplatz zwei kleine Kammern. Um es für das neue Amtsgericht Lemförde nutzen zu können, musste das Parterre neugestaltet werden.
Im Parterre entstand ein geräumiges Amts- und Gerichtszimmer, das tageweise im Wechsel sowohl von der Amtsverwaltung als auch vom Amtsgericht genutzt wurde. Für den Amtsrichter wurde ein Geschäftszimmer eingerichtet, das zugleich die laufende Registratur des Amtsgerichts aufnahm. Das Geschäftszimmer für den Verwaltungsbeamten sollte dagegen außerhalb des Gebäudes in dessen Offizial-Wohnung im Amtshaus hergerichtet werden, in der sich nahe der Eingangstür früher die Schreibstube befunden hatte. Der bisherige Vorplatz wurde zugunsten einer Parteien-Stube verkleinert.
Blieb noch die Frage zu klären, wo die Registratur untergebracht werden sollte. Es wurde vorgeschlagen, die Akten sowohl im Geschäftszimmer als auch in der Amtsstube zu verteilen. Zur Aufnahme der älteren Militär-, Domanial- und Kriminal-Akten sollte wie bisher ein großer Schrank in der Bodenkammer dienen. Für die Aufbewahrung eines gemeinschaftlichen Depositoriums stand zusätzlich ein hölzerner Kasten zur Verfügung, der in einem kleinen Gewölbe im Amtshaus stand, allerdings nicht zureichend gegen Feuer gesichert war. Die 2. Bodenkammer des Amtsstubengebäudes sollte die konfiszierten, mit Arrest belegten Sachen aufnehmen.
Am 12. August 1852 wurde der Amtsgerichtsassessor Alexander von Dassel zum Leiter des Amtsgerichts Lemförde ernannt. Geboren wurde er am 12. Februar 1817 zu Lüneburg als ältester Sohn des Hauptmanns a. D. und Senators, späteren Justizbürgermeisters Johann von Dassel und seiner Gemahlin Louise, geb. v. Lösche. Bei seiner Taufe in der Kirche St. Johannis in Lüneburg nach luth. Ritus erhielt er die Vornamen Alexander Anton Hartwig Staats Georg August Friedrich.
Den ersten Unterricht bekam er zusammen mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder Hermann im Elternhause durch Hauslehrer. Nach seiner am 29. April 1832 vollzogenen Konfirmation kam er ans Johanneum zu Lüneburg. Nach bestandenem Abitur besuchte er Ostern 1837 die Universität Göttingen und absolvierte ein Jurastudium. Am 1. November 1841 bestand er sein erstes Staatsexamen und wurde am 17. Februar 1842 zum Auditor in Lüchow ernannt. 1843 wechselte er ans Amt Gifhorn, 1844 ans Amt Ahlden. Am 6. September 1845 legte er sein zweites Staatsexamen ab und wurde am 29.10.1845 zum Amtsassessor ernannt. Noch im selben Jahre erfolgte seine Versetzung an die Amtsvogtei Burgwedel. Es folgten Anstellungen bei der Königl. Landdrostei Hildesheim, der Königl. Landdrostei Osnabrück und beim Amt Bruchhausen, ehe er am 1. Oktober 1852 mit einem Gehalt von 400 Thalern in sein Amt im Lemförde eingeführt wurde. Zum 1. Juli 1853 wurde sein Gehalt auf 600 Thaler aufgestockt.
Am 16. August 1853 heiratete er auf dem Rittergut Hoppensen seine Cousine Caroline Henriette Auguste Bertha von Dassel (* 09.01.1817). In Lemförde wurden dem Paar drei Kinder geboren: Alexander (* 01.12.1854), Luise (* 03.03.1856) und Adolf (* 19.05.1857).
Während seiner Dienstzeit am Amtsgericht Lemförde als Gerichtsvogt widmete er einen großen Teil seiner Freizeit dem Gartenbau und der architektonischen Gestaltung des Platzes vor dem Amtsgerichtsgebäude. Unter seinen Händen verwandelte sich der Vorplatz des Amtshofs auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg der Burg Levenvorde in einen Park, der bald eine Sehenswürdigkeit des Fleckens darstellte und in der Bevölkerung unter dem Namen „Dasselscher Garten“ bekannt war. Seine Lieblingsblumen waren die Rosen.
1859 wurde das Amtsgericht Lemförde aufgehoben und sein Gerichtsbezirk dem des Amtsgerichts Diepholz zugeordnet. Alexander von Dassel wurde durch Reskript vom 26.04.1859 als Amtsrichter an das Amtsgericht Bleckede und zwei Jahre später, am 22. August 1861 ans Amtsgericht in Lüchow versetzt, wo er bis an sein Lebensende verblieb. Hier starb er am 18. Juli 1911 als Königl. Preuß. Amtsgerichtsrat a. D.
Der „Dasselsche Garten“ hat seinen herrschaftlichen Parkcharakter längst eingebüßt und befindet sich heute zusammen mit dem Gebäude des Amtsgerichts Lemförde in Privatbesitz.
Ludger von Husen
Quellen:
NLA HA Hann. 80 Hannover Nr. 09191, Besetzung der Richterstelle beim Amtsgericht Lemförde 1850-1859
NLA HA Hann. 80 Hannover Nr. 09198, Errichtung eines Verwaltungsamtes und Amtsgerichtes zu Lemförde 1851-1860
Nachruf des am 18. Juli 1911 zu Lüchow gestorbenen Königl. Preuß. Amtsgerichtsrats a. D. Alexander von Dassel, o. O. u. o. J.
Genealogisches Taschenbuch des Uradels. 1, Brünn, 1891
Provinz Hannover: Amtsblatt für Hannover. 1875





