Im Rahmen meiner Recherchen zu regionalgeschichtlichen Themen fiel mir eine Ausgabe des Hannoverschen Magazins in die Hand, eine Zeitschrift, die von 1763 bis 1850 in Hannover als Beilage der Hannoverischen Anzeigen erschien. Das Hannoversche Magazin war als Sprachrohr der höheren Beamtenschaft die meistgelesene hannoversche Zeitschrift. Gedruckt wurde sie von Heinrich Ernst Christoph Schlüter bei der Landschaftlichen Buchdruckerey und verlegt von dem Landsyndikus Albrecht Christoph von Wüllen.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren Stubenfliegen und Mücken, die bei der Öffnung der Türen und Fenster in Schwärmen in die Wohnungen eindrangen, im Kurfürstentum Hannover eine weit verbreitete Plage. Das Hannoversche Magazin forderte ihre Leser Im 61. Stück der Zeitschrift vom 1. August 1774 auf, ihm mitzuteilen, wenn ihnen ein zuverlässiges Mittel gegen das Ungeziefer bekannt sein sollte.
Eine der auf den Artikel folgenden Zuschriften an den Verlag stammte aus der Feder des Lemförder Bürgers Hinrich Gottfried Magius. Er wurde im November 1714 als Sohn der Eheleute Philipp Ulrich Magius und Anna Magdalena Regina Stolting auf dem burgmannsfreien Freisassenhof Nr. 23 an der Pastorenstraße in Lemförde geboren. Sein Vater bekleidete zum Zeitpunkt des Todes 1739 den Rang eines Majors unter den du Pontpietinschen Dragonern. Wie sein Vater hatte auch Hinrich Gottfried, seit 1748 verheiratet mit Louise Volger, die Offizierslaufbahn eingeschlagen und stand im Rang eines Hauptmanns. Er passte daher gut in die bevorzugte Leserschaft der Zeitschrift.
Sein Leserbrief als Antwort auf die der Leserschaft am 1. August 1774 gestellten Aufgabe wurde im 82, Stück des Hannoverschen Magazins vom 14. Oktober 1774 veröffentlicht:
„Es sind bereits verschiedene Mittel bekannt, wodurch man sich der sehr beschwerlichen Qual, welche im Sommer die Fliegen verursachen, entladen kann. Nemlich, es wird ihnen von dem sogenannten Fliegenstein, der in Wasser worden, vorgesetzt. Andere kochen Pfeffer in Milch, oder machen eine Lauge von Toback, die mit Honig oder einem andern süßen Saft vermischt ist, und setzen solche für die Fliegen hin, welche häufig davon sterben. Allein es sind diese Umstände für manchen ekelhaft, auch der Fliegenstein in gewissem Betracht gefährlich. Einige machen wohl auch einen starken Rauch in dem Zimmer. Es scheint alsdenn, daß davon die Fliegen einigermaßen betäubt werden, aber doch nur auf eine kurze Zeit, da sie alsdenn mit verdoppelten Kräften ihre Wuth erneuern, wie denn auch der Rauch in manchem Zimmer vielen Schaden verursachen dürfte.
Das Ausjagen ist ebenfalls ein gutes Mittel die Fliegen zu vertreiben; allein man ist alsdenn genöthigt Fenster und Thüren fest zu verwahren, weil sie sich sonst, besonders wenn die Luft gegen den Herbst anfänge kälter zu werden, gerne wieder herein schleichen.
Die Erfahrung hat es inzwischen hinlänglich gelehrt, daß die Insekten nicht wohl eine Zugluft vertragen können. Wer demnach in seinem Schlafzimmer sich des Gesanges der Mücken, und ihrer Stiche erwehren will, der öffne bey Sonnenuntergang Fenster und Thüren, und mache eine durchstreichende Luft, welches ohnehin in dem Schlafzimmer nöthig ist. Die Mücken werden sich bald verlieren. Die Vorhänge an den Betten müssen aber auch geöffnet und ausgeschüttelt werden, damit keine darin zurückbleibe.
Es wird auch behauptet, daß der Kornwurm von den Böden auf keine leichtere Art, als vermittelst einer Zugluft vertrieben werde, Jedoch ist es solchergestalt einzurichten, daß die Zugluft gerade den Ort berühre, wo sich diese Thierchen aufhalten.
Doch ich war eigentlich Willens, zur Vertreibung der Fliegen ein Mittel in Vorschlag zu bringen, um sich diese beschwerlichen Gäste vom Leibe zu schaffen. Die Zugluft ist es gleichfalls, womit sie können verjagt werden. Man läßt nemlich des Morgens, oder zu der Zeit, wenn sie zu lästig fallen, Fenster und Thüren öffnen, der Zugwind wird die, so in Bewegung sind, bald fortführen, die übrigen, so sich hin und wieder gesetzt, können mit einem Zweige der voller Laub ist, bald fortgetrieben und jenen nachgeschickt werden. Damit es aber im Zimmer an frischer Luft nicht fehle, sind die in offene Fenster passenden Rahmen, welche mit Gaze bezogen, sehr dienlich, und verhindern, daß keine Fliegen wieder zurückkommen können. Dieses leichte Mittel wird so oft wiederholt als es erforderlich.
Man hat auch angemerkt, daß in den Zimmern, deren Fenster mit Jalousien verwahrt worden, sich die Fliegen nicht gerne aufhalten.“
Schaut man ins Internet, so liest man, dass das Fliegengitter erst im 19. Jahrhundert in Amerika erfunden wurde. Was Hinrich Gottfried Magius 1774 in Vorschlag brachte, ist jedoch nichts anderes als ein Fliegengitter. Nahm es etwa in Lemförde seinen Ursprung? Jedenfalls scheint es zumindest im Hause Magius 1774 bereits in Gebrauch gewesen zu sein.
Ludger von Husen

